Heidelbacher Glas
Neben einfachem Gebrauchsglas wurden in Heidelbach auch Gläser hergestellt, die hohen Ansprüchen genügten. Bereit 1548 lieferte die Hütte Gläser an die Hofapotheke der Herzogin Anna (später Kurfürstin nach Dresden.
Älteste erhaltene Erzeugnisse sind drei Fragmente einer mit 1575 datierten Scheibe aus der alten Seiffener Kirche. Die Bruchstücke zeigen emailgemalt das jüngste Gericht. Mit der Jahreszahl 1585 sind ein Reichsadlerhumpen und ein Humpen mit den Wappen der Familien von Schönberg und von Einsiedel datiert. Prunkstücke der Heidelbacher Glasproduktion bilden die herrlich bemalten Blauglasflaschen von 1674 und die Glasspinne in der Seiffener Kirche, die wohl 1672 von dem an der Heidelbacher Hütte tätigen Glasmaler Thomas Hetze gestiftet wurde.
Neben der Glasmalerei wurden natürlich auch andere Methoden der Glasveredlung beherrscht. So finden sich Gläser, außer in rubinrot, in allen Farben. Natürlich war die Grünfärbung in allen Schattierungen vorhanden. Besonders beliebt waren auch kobaltblaue und mit Mangan hergestellte violette Gläser.
In der Heidelbacher Glashütte lag auch die Wiege des sächsischen Glasschnittes. Von hier stammten die Brüder Schindler, von denen Georg zu Beginn des 17. Jahrhunderts nach Prag ging um hier bei dem Kammeredelsteinschneider Caspar Lehmann, seine Kunst zu erlernen um sie dann in Dresden auszuführen. Nach Dresden kamen auch seine Brüder Georg, Wolfgang und Paul. Paul schnitt später Glas in Holstein-Gottrop und ging später nach Kopenhagen.
Die Fertigkeiten, die an der Heidelbacher Glashütte vorhanden waren, beeinflussten auch die Seiffener Volkskunst in Holz. Erinnert sei an die Art der Bemalung von Heidelbacher Gläser und Seiffener Holzdocken, sowie die Nachgestaltung der Spinne durch die Seiffener Drechsler.
Aber auch das in Seiffen einmalige Reifendrehen stammt aus der Heidelbacher Glashütte. Denn hier war ein Drechsler tätig, der die Formern herstellte, in die der Glasmacher das Glas hinein blies, wenn die Erzeugnisse komplizierte Konturen besaßen. Diese Hohlformen konnten nur von einem Drechsler hergestellt werden, der ein sehr gutes Formgefühl besaß und ein sehr guter Handwerker war. Sein fertiges Produkt - die hölzerne Form -konnte er erst prüfen, wenn sie aufgeschnitten wurde. Aber danach war eine Änderung nicht mehr möglich. Die Gemeinsamkeiten mit dem Reifendrehen sind auffallend. So war wohl einer der letzten Formdreher an der Glashütte Heidelbach gleichzeitig der erste Reifendreher.
Als die Hütte um 1830 ihre Produktion einstellte, wanderten viele Glasmacher ab. Andere wurden selbst Drechsler. Der Formdreher hatte natürlich aufgrund seiner besonderen Fähigkeiten, die die Spielwarenherstellung in Seiffen und Umgebung dringend benötigte, keine Existenzschwierigkeiten.
Das Hüttengebäude samt Glasofen wurde um 1830 abgerissen. 1846 folgte diesem Schicksal die Niederlage (Lager). Auf dessen Grundmauer entstand jedoch ein Jahr darauf das heutige Gebäude als Wohnhaus, in dem auch ausgeschenkt werden durfte. 1848 brach man auch das wunderbare Herrenhaus ab. Glashütten besaßen von jeher aus mehreren Gründen Schankgerechtigkeit. Sie lagen oft weit ab und mussten sich selbst versorgen. Die Schankwirtschaften waren das kulturelle "Zentrum" einer Glashütte und außerdem war Bier das einzige Getränk, mit dem der Glasmacher am heißen Arbeitsplatz unmittelbar am Ofen seinen Durst löschen konnte. So blieb die Gaststätte bis ins Jahr 1919 als Relikt der berühmten Glashütte Heidelbach bestehen. Trotzdem ist ein Besuch des Terrains der Glashütte zu empfehlen. Die gute Aussicht, das traditionsreiche Gelände und die Gewissheit, in der Schwartenbergbaude ein gutes Bier trinken zu können, geben der Wanderung das Besondere.
(Text: Dr. Albrecht Kirsche, Dresden)
