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Zur Geschichte von Schloss Purschenstein

Als eine der ältesten Ritterburgen Sachsens liegt "Purschenstein" in der Gemeinde Neuhausen im Tal der Flöha. Die 1289 als "Castrum Borsensteyn" erstmals urkundlich erwähnte Burg wurde bereits um 1200 von dem böhmischen Ritter Borso I. aus Riesenburg als Zoll- und Geleitsburg errichtet. Sie diente dem Schutz der von Mitteldeutschland nach Böhmen führenden Salzstraße. Dieser auch "Alter Böhmischer Steig" genannte Fernhandelsweg führte von Halle kommend am heutigen Neuhausen vorbei, über den Deutscheinsiedler Sattel in Richtung Prag.

Die Anlage und die zugehörigen Ländereien gelangten im 14. Jahrhundert, nach mehrfachem Wechsel zwischen Böhmen und Meißen, endgültig in den Besitz der Markgrafen von Meißen. In der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde die Familie von  Schönberg von den Meißener Burggrafen mit der Herrschaft Purschenstein belehnt, zu der seit 1352 auch die Stadt Sayda gehörte. Bis zu ihrer Enteignung 1945 ist die Familie v. Schönberg ununterbrochen im Besitz dieser Herrschaft bzw. des späteren Rittergutes Purschenstein geblieben.

Eingegliedert in das spätere Schlossensemble künden noch heute einige Gebäudeteile auf beeindruckende Weise von der einstigen Wehrhaftigkeit der Burg, so z.B. der 42 Meter hohe Bergfried aus dem 13./14. Jahrhundert mit seinen bis zu 2,85 Meter starken Mauern. Auch Reste von Ringmauer, Wall und Graben unmittelbar nordwestlich des Schlosses, sowie die großflächige Ruine der Vorburg im heutigen Parkgelände, die wohl in Kriegs– und Unruhezeiten als „Bauernfluchtburg“ diente, sind noch Zeugen eines einst gewaltigen Burgkomplexes. Gefäßscherben, die man bei Bauarbeiten im Keller fand, datieren ins beginnende 13. Jahrhundert.

Bedeutende Änderungen erfuhr das Schlossgebäude im 18.Jahrhundert, als der sächsische Generalpostmeister Adam Rudolf v. Schönberg den Südflügel 1776-1778 zu einer großen barocken Schlosskapelle umbaute. Wohl auch Mitte des 18.Jahrhunderts erfolgte die Errichtung des Nordflügels. Die Türme erhielten barocke, laternenbekrönte Turmhauben, von denen aber nur die des Uhrturms erhalten blieb. Im 19.Jahrhundert haben Baumaßnahmen das Äußere des Schlosses im neogotischen Charakter beeinflusst. 1839 erhielt der Uhrturm einen kleinen klassizistischen Vorbau. Im Park wurde eine Familiengruft angelegt.

Vermutlich war an diesen Umbauarbeiten auch der Zimmermeister Christian Gotthelf Reuther beteiligt, der von 1776 bis 1779 für den Bau der Seiffener Kirche verantwortlich war und auch auf Schloss Reichsstädt im Dienste der Familie von Schönberg stand.

Aufgrund mehrer Brände und Zerstörungen - zum Beispiel im Dreißigjährigen Krieg (1642/43) - und der zahlreichen Umbauten sind heute kaum noch Teile der ursprünglichen Burg vorhanden. Erhalten ist noch der alte 42 m hohe Bergfried aus dem 13./14. Jahrhundert mit seinen 2,85 m dicken Mauern.

Letzter Besitzer von Schloss Purschenstein war Georg von Schönberg.
Da er keine Nachkommen hatte, vermachte er das Schloss mitsamt Inventar und forstwirtschaftlichem Betrieb der von ihm selbst errichteten "Familienstiftung Purschenstein". Diese Stiftung wurde 1945 durch die sozialistische Bodenreform enteignet. Erst in den 90 er Jahren wurden der Familie Teile des wenigen noch vorhandenen Inventars zurückgegeben. Die "v.Schönberg`sche Stiftung" hat dieses teilweise aufwändig restauriert und zeigt diese Bilder, Waffen und Rüstungen seit dem 22. September 2006 in einer Dauerausstellung auf Schloss Nossen (www.schloss-nossen.de).

Nach der Enteignung der Familie von Schönberg im Jahre 1945 wurde Purschenstein auf verschiedene Arten benutzt. So waren darin eine eine Parteischule (bis 1948), ein katholischess Kinderheim (1951-1955) und als FDGB-Kulturhaus ("Klubhaus der Gewerkschaften") (bis 1989)  genutzt. Am 3. April 1989 brannten große Teile des Schlosses aus. Zwischen 1990 und 2001 erfolgte ein teilweiser Wiederaufbau. Danach wurde eine Gaststätte eingerichtet und die Ausstellung der DDR-Motorrädersammlung der Familie Schwarz untergebracht. Außerdem wurden Räumlichkeiten für Hochzeitsfeiern eingerichtet.

Im Jahre 2005 wurde das Schloss von der Gemeinde an einen niederländischen Investor verkauft, der das Schloss zu einem Hotel umbauen will. Der historische Park ist für Besucher frei zugänglich.

(Quellen: Dietmar Geyer, Neuhausen, www.neuhausen.de, www.vonschoenberg.org)